Kriegszeiten

Die beiden Weltkriege sind auch an Gosenbach nicht spurlos vorbei gegangen. Der erste Weltkrieg war der erste „industriealisierte“ Krieg, in den die gesamte Wirtschaft und Bevölkerung eingebunden war. In gesteigerter Form zeigte sich dieses auch im 2. Weltkrieg. Dort wurde allerdings die Zivilbevölkerung in starken Maße in Mitleidenschaft gezogen. Zum ersten Mal wurde gezielt die Zivilbevölkerung angegriffen. Heute erinnert uns das Ehrenmal am Heidenbaum an die Opfer der beiden Kriege und an unsere Verantwortung es niemals mehr soweit kommen zu lassen.

Der I. Weltkrieg

Als am 1. August 1914 die allgemeine Mobilmachung ausgerufen wurde, leuteten in Gosenbach die Glocken. Wie überall in Deutschland setzte auch hier eine Kriegsbegeisterung ein, da man vom schnellen Sieg überzeugt war. Doch wie wir alle wissen sollte es anders kommen. Am 5. August fand ein Kriegsbetgottesdienst statt.

Mahnmal erster Weltkrieg

Die zunehmd schwierige wirtschaftliche Lage ging auch an Gosenbach nicht vorrüber. So wurden unter anderem Nahrungsmittel, Brennstoffe und Bekleidung knapp. Für die Kriegsindustrie wurde vor allem von Schulkindern viel gesammelt woraus sich Fette und Öle herstellen ließen.

Im 1. Weltkrieg starben 50 Männer aus Gosenbach. Ihnen wurde ein Ehrenmal am Heidenbaum gewidmet.

Der II. Weltkrieg

Am 1. September 1939 begann der 2. Weltkrieg. Auch diesmal ahnte wohl kaum jemand was für Folgen dieses Ereignis nach sich ziehen würde. Während im 1. Weltkrieg die Zivilbevölkerung in Deutschland nichts von den Kampfhandlungen direkt mitbekam, so änderte sich dies nun. Schon 1940 wurden die ersten Brandbomben auf Gosenbach abgeworfen. Ein Zeichen dafür dass die Luftabwehr von Anfang an nicht sehr effektiv war. (Zur Information: Brandbomben an sich sind relativ ungefährlich. Sie sind stabförmig und sogar mit bloßen Händen wegzutragen und auch löschbar. Das Problem damals war vor allem die große Menge, so war es unmöglich genug Brandbomben zu löschen um große Brände zu verhindern.)

Die Bevölkerung wurde in die Kriegswirtschaft von Anfang an miteinbezogen. So wurde schon 1939 eine Metallsammlung durchgeführt, sowie kriegswichtige Rohstoffe eingespart. Wegen Kohleeinsparungen musste die Schule Ende Februar 1940 für ein paar Tage geschlossen werden. Weitere Sammlungen waren zum Beispiel die „Reichspinnstoffsammlung“ oder die „Winterwollsammlung“.

Bis Ende 1940 kämpften schon 145 Männer aus Gosenbach im Krieg.

Am 21. Juni 1941 marschierte die Wehrmacht in Russland ein. Zunächst lief der Feldzug erfolgreich, doch vor Moskau endete der Vormarsch und spätestens mit dem Ende der Schlacht um Stalingrad begann der Rückzug der deutschen Armee.

1942 wurden 55 russische Frauen und Mädchen im Gebäude der Grube Storch & Schöneberg einquartiert. Sie arbeiteten im niederschelder Stahlwerk. 25 russische Zwangsarbeiter wurden zum Abbau der Schlackenhalde und zuschütten der Grubenschächte eingesetzt. Insgesamt waren im Oktober 1942 126 Zwangsarbeiter aus den besetzten Gebieten in Gosenbach untergebracht.

Ab 1944 verschärfte sich die Lage der Bevölkerung. Immer öfters wurde Fliegeralarm gegeben. Siegen selbst wird am 16. Dezember 1944 durch einen großen Luftangriff fast völlig zerstört. Aber auch in Gosenbach sind die Auswirkungen zu spüren, so gehen einige abgeschossene Flugzeuge über dem Ort nieder und Angriffe auf Bahnanlagen häufen sich. Selbst Ernte und Beerdigungen waren vor Luftangriffen nicht mehr sicher. Mitte November 1944 werden Bombengeschädigte aus dem Ruhrgebiet in der alten Schule untergebracht. 1945 sind rund 400 Flüchtlinge in Gosenbach untergebracht.

1945 lag das Deutsche Reich in seinen letzten Zügen. Der sogenannte „Volkssturm“ wurde als letztes Aufgebot mobilisiert. Dazu wurden Ende Januar alle noch waffenfähigen Männer in der Turnhalle Niederschelder Hütte vereidigt. Doch konnte dies, wie bekannt das Ende nicht aufhalten.

Am 1. April 1945 beginnt die Schlacht um Gosenbach, am 8. April sind ist sie nach schweren Kämpfen vorbei. Der Befehlshaber der deutschen Truppen zieht nach der Drohung der Amerikaner, die Bevölkerung zu evakuieren und Luftangriffe zu führen, seine Truppen ab. Die Kämpfe richteten großen Schaden an. Fast überall sind zumindest die Fensterscheiben zerbrochen. Viele Häuser sind durch den schweren Artilleriebeschuss zerstört worden. Insgesamt sind 25 deutsche und 22 amerikanische Soldaten um Kampf um Gosenbach gefallen.

Durch den vollständigen Zusammenbruch Deutschlands waren die Folgen für die Zivilbevölkerung auch nach dem Krieg noch zu spüren. Lebensmittel waren knapp und die Flüchtlinge mussten ihren Weg zurück meist zu Fuss bewältigen. Dies sollte sich erst mit der Währungseform und Gründung der Bundesrepublik Deutschland änderte sich die wirtschaftliche Lage. Aber auch die Kriminalität war ein schwerwiegendes Problem. So zogen Banden von ehemaligen russischen Zwangsarbeitern raubend und auch teilweise mordend durch die Gegend. So wurde der ehemalige Bürgermeister mit seiner Familie am 17. juni 1945 in seinem Haus ermordet. Nur seine jüngste Tochter überlebte. Schließlich wurde von der englischen Besatzungsmacht ein Wachdienst eingerichtet. Aber erst durch den Abtransport der Russen im August hörten die Raubüberfälle endlich auf. Doch schon im Oktober wurden in der Heidenberg Kaserne Polen einquartiert, mit denen auch wieder die Überfälle begannen. Wiederum wurde ein Wachdienst durch die Engländer eingerichtet.

Auch für die Toten des 2. Weltkrieges wurde ein Ehrenmal eingerichtet. Zuerst sollte dieses auf dem Vorplatz des Gemeindefriedhofes errichtet werden, doch erwies sich der Vorplatz des Ehrenmals für die Opfer des 1. Weltkrieges als geeigneter. Hier sollten die gefallenen Soldaten aus Gosenbach ihre letzte Ruhe finden. Im Mai 1952 begann die Umbettung und am 30. August 1953 wurde der Friedhof feierlich eingeweiht. Insgesamt liegen dort 164 Soldaten. Jedes jahr am Volkstrauertag findet eine Gedenkfeier auf dem Friedhof statt.

Die Gefallenen des 1. Weltkriegs:

Emil Bäumer Fritz Holdinghausen Robert Schmidt
Fritz Becker Robert Holdinghausen Richard Schmidtgen
Willy Böhnke Walter Jakob Fritz Schmidtgen
Ernst Bottenberg Theophil Klietsch Robert Siebel
Ewald Denker Fritz Künkler Heinrich Sollbach
Karl Dornhöfer Andreas Langenbach Wilhelm Sollbach
Fritz Dücker Gustav Lautz Karl Solbach
Ernst Falk Wilhelm Löscherbach Adolf Stark
Adolf Filger Karl Meister Ewald Strunk III
Willy Filger Karl Meurer Emil Utsch
Wilhelm Flender Willi Reichhardt Ewald Utsch
Robert Giesler II Friedrich Reimann Heinrich Utsch
Emil Heer Emil Reinhardt Otto Weber
Albert Hoffmann Ernst Rosenthal Fritz Wunderlich
Karl Hoffmann Robert Roth Otto Hoffmann
Paul Schmidt Robert Schmidt

Die gefallenen des 2. Weltkriegs:

Gerhard Achenbach Fritz Holdinghausen Albert Mörsdorf
Franz Bäumer Adolf Koch Erich Müller
Friedrich Becker Helmut Koch Karl Müller
Heinrich Becker Wilhelm Koch Adolf Nassauer
Hermann Bottenberg Hermann Klappert Ingemar Popp
Gerhard Burk Walter Klappert Fritz Portmann
Eugen Debus Karl Knetsch Kurt Portmann
Ernst Dücker Hermann Krämer Otto Reiffenrath
Helmut Fischbach Werner Krämer Ernst Reimann
Paul Fischbach Wilhelm Krämer Albert Reinhardt
Robert Fohr Ernst Krasa Walter Rosenthal
Walter Fries Otto Kraus Walter Rothenpieler
Wilhlem Ginsberg Herbert Krause Wilhelm Rübsamen
Karl Görzel Karl Krumm Heinrich Ruscheweyh
Willi Grümbel Adolf Künkler Helmut Schmidt
Hermann Hees Ernst Künkler Erwin Schneider
Günther Hennicke Alfred Latsch Alfred Schulte
Rudi Henß Heinz Latsch Alfred Seidel
Gustav Hofmann Karl Märker Gustav Seidel
Theodor Hofmann Erich Mahlich Heinrich Spitzer
Gustav Stahl Walter Thiel Paul Wirths
Hugo Stahl Gerhard Utsch Ferdinand Wurm
Herbert Strunk Erich Walter Fritz Strunk
Erich Walter Wilhelm Theiß
Richard Weber Alfred Thiel Günther Wirths
Karl Thiel Hans Wirths

Die Vermissten des 2. Weltkriegs:

Kurt Andter Karl Neumann Herbert Siebel
Oswin Alischer Gerhard Patt Waldemar Siebel
Alfred Bänfer Ernst Pfeiffer Otto Stahl
Robert Bänfer Albert Portmann Wilhelm Stein
Emil Bäumer Robert Reichmann Herbert Strunk
Fritz Bäumer Walter Reichow Friedrich Wilhelm Sturm
Willi Birkholz Lothar Richter Hermann Utsch
Walter Denker Heinz Röcher Eduard Weber
Fritz Dücker I Gustav Rübsamen Paul Welzel
Fritz Dücker II Fritz Sauermann Alfred Werner
Willi Ermert Walter Schumacher Ernst Werner
Emil Falk Hermann Schwarz Gustav Wirths
Max Fries Moritz Fries Günter Görzel
Erich Hainke Herbert Hennicke Erich Hilzenbecher
Willbert Hoffmann Paul Holdinghausen Helmut Jakob
Heinrich Jungheim Franz Klein Walter Klein
Ernst Koch Wilhelm Krämer Friedrich Latsch
Karl Latsch Walter Latsch

Weitere Infos zur Gedenkstätte auf „Gedenkstätte Gosenbach“

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